B1009: B. Eder / F. Wemheuer - Die Linke und der Sex

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Art.Nr.: B1009


Produktbeschreibung

Mit Texten von Alexandra Kollontai, Elfriede Friedländer, Herbert Marcuse, Shulamith Firestone, Reimut Reiche, Michel Foucault, Beatriz Preciado, Linda Singer u.a.


Mit der vorliegenden Dokumentation von linkskommunistischen, freudo-marxistischen und (queer)-feministischen Texten wird die Frage aufgeworfen, inwiefern Projekte einer gesamtgesellschaftlichen politischen Emanzipation mit einer Kritik der Sexualität einhergehen kann. Dabei geht es auch um neue Beziehungsformen wie die 'erotische Freundschaft', Praktiken zur Überwindung einer genitalfixierten Sexualität oder um die Frage, wie (Un-)Lust mit Lohnarbeit zusammenhängt. Über den Umweg einer historischen Spurensuche versucht dieses Buch, emanzipatorische Elemente freizulegen.



'Die ursprünglich polygame Veranlagung ist zu stark im Menschen, als dass sie durch äußere und innere Gewalt gänzlich unterdrückt werden könnte (?). In der kommenden Zeit stürmischer, revolutionärer Entwicklung wird dieser Prozess sicher noch eine Beschleunigung und Intensivierung erfahren. Und in der von wirtschaftlichen Kämpfen befreiten glücklicheren Zukunft des Sozialismus wird die wilde Vermischung und Polygamie in allen Formen das Sexualleben des Menschen beherrschen.'
Elfriede Friedländer, Sexualethik des Kommunismus, 1920



Die Überwindung von autoritären Formen der Kindererziehung und monogamen, eheähnlichen Zweierbeziehungen war immer wieder integraler Bestandteil utopischer Gesellschaftsentwürfe auf Seiten der politischen Linken. Ebenso waren viele AktivistInnen der 1968er-Bewegung der Überzeugung, soziale Revolution sei nicht ohne 'befreite' Sexualität denkbar. Die Hoffnungen, die mit der Idee einer 'sexuellen Revolution' verbunden wurden, haben sich jedoch nicht erfüllt: Radikale Kommune-Projekte scheiterten, die fortschreitende Liberalisierung führte zur Kommerzialisierung von Sex(arbeit). Feministinnen kritisierten zu Recht, dass Fragen von Reproduktionsarbeit und Heterosexismus in gesellschaftsverändernden Entwürfen der Linken nur selten mitbedacht wurden.



Michel Foucault wandte in den späten 1970er Jahren gegenüber dem 'Befreiungsparadigma' der 1968er ein, dass die damit einhergehende verstärkte Diskursivierung des Sexes nicht zu einer Entfesselung der Körper und der Lüste, sondern vielmehr zur Hervorbringung neuer Machtrelationen geführt habe. In der Kommodifizierung von Sexualität werden diese auch sozialökonomisch sichtbar.



 

Diesen Artikel haben wir am 09.02.2021 in unseren Katalog aufgenommen.